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Renaissance der Kernkraft? Atom-Studie nach der Bundestagswahl [update]

Kategorie: Strom

Berlin – Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) liegt Bundesforschungsministerin Anette Schavan (CDU) ein brisantes Gutachten vor. Eine Studie von etwa hundert Forschern soll den Bau mehrerer Atomkraftwerke in Deutschland anregen. Allerdings kamen das Bundesministerium und die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) darin überein, die Studie erst nach der Bundestagswahl 2009 zu veröffentlichen. Dies begründet man gegenüber den Autoren mit der Sorge vor einem "zerreden" oder übersehen des Energie-Konzeptes. Seit nunmehr drei Monaten zögern die Beteiligten die Veröffentlichung der Arbeit "Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland" bis nach der Bundestagswahl hinaus. Anette Schavan selbst hatte der FTD zufolge das Gutachten in Auftrag gegeben. Doch nun dringen immer mehr Details zu der Studie in die Öffentlichkeit. Die noch im Kanzlerduell von Angela Merkel als "Brückentechnologie" hin zu den Erneuerbaren Energien bezeichnete Atomenergie könnte demnach erneut einen wesentlichen Pfeiler erhalten. Die Forscher sollen in der Studie den Neubau mehrerer Atomkraftwerke vorschlagen. Außerdem sprechen sich die Gutachter gegen Gorleben und für die Suche nach einem alternativen atomaren Endlager aus. Die Vorschläge bringen jedoch ausgerechnet Schavan in Bedrängnis. Die Bundesforschungsministerin sprach sich mehrmals für Gorleben als Endlager aus, doch die Forscher berufen sich auf "wissenschaftliche Erkenntnisse aus Frankreich, Belgien und der Schweiz", die ein Endlager in Tongestein vorziehen. Diese Gebiete sind vermehrt in Baden-Württemberg ("Wir können alles, außer Hochdeutsch") zu finden. Das dürfte nichts neues für die Ministerin sein, die aus diesem Bundesland stammt und dort auch ihre Wähler hinter sich weiß. Da im Wahlprogramm und Wahlkampf nur die CDU/CSU und FDP ganz offen ein Festhalten an der Atomenergie ankündigen, ruht die Hoffnung der Forscher auch auf einer künftigen Regierung dieser zwei Parteien. Deutschland könnte sich dann "in der Zukunft wieder an der Entwicklung und dem Bau von neuen Kernkraftwerken beteiligen", so zitiert die FTD einen Abschnitt der Studie. Bedenkt man, welche Position Deutschland einst in der Atomindustrie inne hatte, spielt Nostalgie hier sicher eine Rolle. Gegenüber der FTD wollte sich das Bundesministerium bislang nicht zu dieser Sache äußern. Nach mehr als 3 Monaten Wartezeit kommt es auf drei Wochen Stillschweigen auch nicht mehr an. Ein paar Tage früher erfolgt jedoch die Bundestagswahl. Wahlkämpfer Sigmar Gabriel (SPD) kommt diese Neuigkeit sehr gelegen. Update: Inzwischen meldete die Welt ein Dementi des Ministeriums. Bei den vorgeschlagenen Neubauten von Atommeilern handelt es sich demnach lediglich um "denkbare Szenarien". Die Wissenschaftler widmen der Atomkraft - auch nach eigener Auskunft - im Bericht außerdem lediglich vier von insgesamt 60 Seiten.