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Der Geist der stets verneint: gegen Erneuerbare Energie

Kategorie: Strom



Don Quixote de la Mancha verschlingt in seiner Freizeit einen Ritterroman nach dem nächsten. Das steigt ihm zu Kopf, das ist ihm zu viel Fiktion auf einmal. Sein Realitätssinn kommt ihm dabei abhanden, er hält sich selbst für einen Ritter und zieht los in den Kampf. Die berühmteste Episode seiner Abenteuer ist zweifellos der Kampf gegen die Windmühlen, in denen Don Quixote gefährliche und bedrohliche Riesen zu erkennen glaubte. Dieser donquijoteske Kampf gegen die Windmühlen wiederholt sich augenblicklich an vielen Orten in Deutschland, ganz real, ganz absurd. Denn immer mehr Bürgerinitiativen versuchen, den Bau von Windkraftanlagen zu verhindern. Sie sehen, ähnlich wie Don Quixote, in den Windrädern eine ernstzunehmende Bedrohung und werfen sich mit allem was sie haben in den Kampf. Und ähnlich wie bei Don Quixote ist es schwer zu sagen, ob dieser Kampf eher etwas Tragisches oder etwas Komisches hat... 

Die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) setzt sich in ihrem Wahlprogramm für Erneuerbare Energie und gegen Atomkraft und Kohleenergie ein. Um so befremdlicher erscheint es da, dass ausgerechnet zwei Öko-Demokraten sich gegen den Bau einer Solaranlage in Oberfranken einsetzen. Thomas Büchner und Christoph Raabs äußern gegenüber der Financial Times Deutschland, dass sie "endlich einen Strich unter die ganze Thematik Solarfelder setzen" wollen: "Weil man Strom nicht essen kann", so ihr Motto. Doch es wird noch absurder: im Landkreis Coburg haben die Landwirte gerade eben, so die FTD weiter, sage und schreibe 735 Hektar Ackerfläche stillgelegt, weil keine Nachfrage mehr für sie bestand. Das geplante Solarfeld, das die ÖDP'ler verhindern wollen, würde nur ein Fünfzigstel dieser Fläche benötigen.



Wer vermutet, es handele sich hierbei um eine schrullige Form von (liebenswürdiger) fränkischer Sturheit, der irrt. Denn auch die so allgemeinhin als kühl und bedacht geltenden Norddeutschen in Schleswig-Holstein zeigen donquijoteske Züge, wenn es um die Verhinderung von Windkraftanlagen geht. Sie betreiben Webseiten wie gegenwind-sh.de, sind gut vernetzt und versuchen alles, um den Bau von Windkraftanlagen zu verhindern, "um unseren Platz zum Leben gegen die Windräder zu verteidigen", wie es auf der Homepage heißt. Die Aktivisten erstellen so genannte "Belästigungsprotokolle", in denen akribisch notiert wird, wann und wo man persönlich von einem Windrad belästigt wurde. Sie rechnen millionenschwere Wertverluste ihrer Immobilien und Grundstücke durch Windkraftanlagen vor. Sie polemisieren gegen das EEG. Überall lauert der übermächtige Feind des Windlobbyismus.



In Deutschland ist er vielleicht so stark ausgeprägt wie in keinem anderen Land: "der Geist der stets verneint." Denn: wird an der einen Stelle protestiert gegen Windkraftanlagen zu Land, beschwert man sich an anderer Stelle über geplante Offshore-Anlagen, also Windräder auf dem Meer. Hier ist zwar keine direkte physische Belästigung für das emsig geführte Belästigungsprotokoll zu verzeichnen, doch die Offshore-Räder verbauen schließlich die Sicht. Auch das geht nicht.



Die Argumente im Kampf gegen Erneuerbare Energien sind oftmals weit jenseits von Polemik zu verorten: im Reich des Aberglaubens. In Münster am Lech wurde erst kürzlich ein Solarpark verhindert, per Bürgerentscheid. Polemisiert wurde gegen die Solar-Kollektoren mit Befürchtungen, diese könnten die Fehlgeburtenquote in der Region erhöhen - durch die gefährlichen Strahlen, die sie aussenden würden. Was nach einem plausiblen Argument gegen ein Atomkraftwerk in der direkten Nachbarschaft klingt, ist als Argument gegen eine Solaranlage nur noch absurd. Dagegen hilft auch vernünftiges Argumentieren nicht - eine Erfahrung, die der Ettenheimer Bürgermeister Bruno Metz (CDU) machen musste, als es um den Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks ging. Die Bürger lehnten ab. Da half es auch nicht, dass Metz reihenweise Experten heranzog. Ob Umwelttechniker, Mediziner oder Forstschutzbeauftragte: ihr Urteil fiel immer positiv aus. Doch das konnte die Bürgerinnen und Bürger nicht überzeugen, das Kraftwerk wurde abgelehnt, ein altes und ineffizientes Kraftwerk läuft dafür weiter.



Gerade in Wahlkampfzeiten, wo man Deutschland als Land des ökologischen Fortschritts rühmt und den Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix als Aushängeschild für einen erfolgreichen "ecological turn" herbeizieht - und gerade in Berlin fällt es schwer zu glauben, dass im Rest der Republik ein Kampf nicht gegen AKWs und Kohlekraftwerke geführt wird - sondern gegen Windanlagen, Solarparks oder Wasserturbinen. Auch auf einem Strommarkt, wo sich Öko-Stromanbieter wie LichtBlick als konkurrenzfähig auf dem Markt behaupten können und selbst große Konzerne ihre ökologischen Konzepte überdenken, muss der Kampf gegen Erneuerbare Energien große Ähnlichkeiten mit Don Quixote haben. Nur, ob man ihn belächeln oder betrauern muss, ist dabei schwer zu sagen...