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Strom für Wiesbaden: ESWE als Stromanbieter fraglich

Kategorie: Strom

In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden herrscht Uneinigkeit über die Frage, woher die Stadt künftig ihren Strom beziehen soll. Den lieferte bisher die ESWE Versorgungs AG, ein Stromanbieter und Energieversorger, der zu 50% in Besitz der Stadt Wiesbaden ist. Der laufende Liefervertrag läuft Ende 2010 jedoch aus - dann könnte die Stadt Wiesbaden den Stromanbieter wechseln. Das stand zwar bislang nicht zur Debatte, doch durch den geplanten Bau eines großen Kohlekraftwerkes in der Ingelheimer Aue (760 Megawatt) ist die ESWE zunehmend in die Kritik geraten, wie die Frankfurter Rundschau kürzlich berichtete. Daher sprachen sich die Wiesbadener Grünen auf ihrer Mitgliederversammlung nicht nur für den Stromanbieterwechsel aus sondern forderten auch, dass der Ausstieg aus dem laufenden Vertrag "so rasch als irgend möglich" durchgesetzt werden müsse.  Die Stadt Wiesbaden ist sicherlich einer der wichtigsten Kunden, den die ESWE hat: jedes Jahr werden 11 Mio. kWh von ESWE an die Stadt Wiesbaden geliefert, was umgerechnet 1,05 % des Gesamtumsatzes (1,2 Mrd kWh) ausmacht. Die FR hat in ihrem aktuellen Artikel ausgerechnet, dass man bei der ESWE über 3.700 Privathaushalte akquirieren müsse, um den Wegfall des Kunden Stadt zu kompensieren. Der Fall ESWE hat daher in der Stadtverordnetenversammlung von Wiesbaden einigen Staub aufgewirbelt. Während die Grünen beharrlich an ihrer Meinung festhalten, kommt von Seiten der SPD zwar Verständnis für die Haltung, jedoch auch das klare Zeichen, sich dieser nicht anzuschließen. Die CDU hingegen findet weniger schöne Worte für das Vorgehen der Grünen, das sie als "ökonomisch unsinnig" bezeichnet, denn, so Fraktionsvorstand Bernhard Lorenz: "Es gibt keinen Ökostrom, der nicht durch Atrom- und Kohlestrom quersubventioniert wird." Diese Aussage mag zwar sachlich korrekt sein, zielt jedoch an der Realität des Erneuerbare-Energien-Ausbaus in Deutschland vorbei. Denn der sukzessive Ausbau von Regenerativen Energien hat ja gerade zum Ziel, die Quersubventionierung durch Kohle- und Atomstrom abzuschaffen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber die Weichen müssen heute gestellt werden, damit dieses Ziel morgen erreicht werden kann. Was sich jedoch gegen den Antrag der Grünen einwenden lässt ist, dass die ESWE in den letzten Wochen und Monaten viel getan hat, um glaubhaft das eigene Öko-Bestreben zu unterstreichen. Ob durch die Inbetriebnahme von Photovoltaikanlagen oder die Versorgung von verschiedenen Einrichtungen in Wiesbaden mit Ökostrom, wie z.B. einem Wiesbadener Kino: ESWE hat den ecological turn der Energiebranche nicht verschlafen. Die Beteiligung am nicht nur unzeitgemäßen, sondern vor allem auch unpopulären Kohlekraftwerk, das zu unzähligen Protesten und Bürgerdemonstrationen geführt hat, verwundert daher um so mehr. Doch der ESWE-Betriebsrat beruft sich laut FR auf den "kostengünstigen Strom" in der Region Wiesbaden, der durch den Kraftwerksbau gesichert werde. Der Streit um das Kraftwerk geht erst einmal weiter. Jedoch rollen die Bagger bereits und haben schon das Fundament für den Bau gelegt. Ob sich dieses Millionen-Euro-Projekt noch stoppen lässt, ist bei dem massiven Widerstand des Stadtrates gegen die Einwände der Grünen eher fraglich. Die Bürgerinnen und Bürger können mit ihrem Wechsel zu einem reinen Ökostromtarif jedoch ein klares Zeichen setzen. Wer einen Stromvergleich in Wiesbaden durchführt, wird schnell sehen, dass sich dabei sogar noch ein paar Euro pro Jahr sparen lassen.