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Magforce Nanotechnologies - Tumorköche aus Berlin

Kategorie: Finanzen

Als die ersten Medienberichte über die neuartige Krebstherapie von Magforce veröffentlicht wurden, kannte der Rummel keine Grenzen mehr. Mit Tausenden von Anfragen war das Berliner Unternehmen seinerzeit überhäuft worden. Da das Verfahren noch nicht zugelassen ist, entschied man sich, die Öffentlichkeitsarbeit vorerst ruhen zu lassen. Das könnte sich in Kürze ändern. In vier bis sechs Wochen, spätestens aber bis Ende des Jahres sollen die Ergebnisse der Wirksamkeitsstudie für das neue Therapieverfahren vorliegen. Aus Börsianerkreisen verlautet, dass dabei tatsächlich ein medizinischer Durchbruch erzielt werden könnte. Falls das eintritt, wird die Zulassung des Verfahrens innerhalb von sechs Monaten erwartet.

Magforce entwickelt keine Medikamente im eigentlichen Sinn, weshalb nicht drei klinische Testphasen vorgeschrieben sind, sondern nur zwei. Die Behandlungsmethode besteht darin, Eisenoxidpartikel in Nanogröße in den Tumor einzubringen, die dann durch ein Magnetfeld erhitzt werden. Der Tumor wird so quasi von innen heraus gekocht und damit unschädlich gemacht. Die erste Testphase, die positive Ergebnisse geliefert und den Medienrummel ausgelöst hatte, war die Machbarkeitsstudie an Patienten mit der häufigsten Form des bösartigen Gehirntumors (Glioblastoma multiforme). Dabei ging es aber, wie der Name schon sagt, nur um die Durchführbarkeit, die inzwischen bewiesen ist. Die Eisenoxidpartikel werden durch ein kleines Loch im Schädel – nicht größer, als es etwa für eine Gewebeprobe benötigt wird - in den Tumor eingebracht und anschließend auf bis zu 70 Grad erwärmt. Da Tumorzellen keine Hitze vertragen, werden sie beschädigt, im besten Fall sterben sie ab. Eine bereits todgeweihte Patientin, die 2004 im Rahmen der ersten Studie behandelt wurde, lebt heute noch tumorfrei. Im Unterschied zu herkömmlichen Behandlungsmethoden wie Chemo- oder Strahlentherapie ist das Magforce-Verfahren auch noch weitgehend frei von Nebenwirkungen. Außer einem lokalen Wärmegefühl verspüren Patienten keinerlei Unannehmlichkeiten. Die Therapie ist auch auf andere Krebsarten mit festen Tumoren übertragbar. Obwohl erste Indikationen durchsickern, wonach die Wirksamkeitsstudie gegen Gehirntumore gute Erfolge zeigen soll, ist die Aktie nur für spekulative Anleger geeignet. Der Börsenwert von Magforce liegt über 150 Millionen Euro, obwohl nennenswerte Umsätze und Gewinne noch nicht in Reichweite liegen. Zudem ist der Titel extrem markteng. Nur 7,5 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz, mehr als drei Viertel der Anteile hält die Beteiligungsgesellschaft Nanostart. Deren Chef Marco Beckmann wurde diese Woche bei der SCC Small-Cap-Conference in Frankfurt nach dem Klumpenrisiko im Nanostart-Portfolio gefragt, da Magforce die mit Abstand größte Beteiligung ist. Antwort: „Ich werde doch nicht kurz vor dem Big Bang verkaufen."